Herr Bollmann ist 37 Jahre alt und blickt auf ein kurzes, aber dennoch bewegtes Leben zurück. Zeiten von tiefer Verzweiflung, Gefühle von Überforderung und fehlender Belastbarkeit, Isolation und Arbeitslosigkeit kennt er nur zu gut: „Ich habe längere Zeit gebraucht, um wieder allein und selbstständig in einer eigenen Wohnung leben zu können. Heute gehe ich arbeiten und versuche mit meiner psychischen Erkrankung klarzukommen.“ Das war nicht immer so.

Über 2,5 Jahre wohnte Herr Bollmann im Wohnheim für seelisch behinderte Menschen „Thomas Müntzer“ - eine stationäre Einrichtung der GSW-Behindertenhilfe. Hier erlernte er, wie man den Alltag gestaltet, Bewältigungsstrategien im Umgang mit Krisen entwickelt und selbst gesteckte Ziele erreicht. Fachlich qualifizierte und menschlich erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleiteten ihn auf diesem Weg. Rückblickend wurden seine individuellen Stärken und Ressourcen berücksichtigt, gleichzeitig aber auch soziale Kontakte gepflegt. Zugänge, die immer mehr in Biografiearbeit oder kreativen Methoden der Ergotherapie zu finden sind, erleichterten die pädagogische Arbeit.

Mit der Zeit stiegen aber auch die Ansprüche von Herrn Bollmann und die GSW reagierte. Über sogenannte komplementäre (ergänzende) Angebote innerhalb von neu gestalteten Strukturen und notwendige Zwischenschritte - wie die Selbstversorgung, Trainingswohnen und später das Ambulante Betreute Wohnen - führte die Entwicklung hinaus in die Selbstständigkeit. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben hat ihm zusätzlich Hoffnung gegeben, sich später vielleicht einmal lang gehegte Wünsche zu erfüllen. Stolz berichtet Herr Bollmann über das bislang Erreichte: „Mit meiner Arbeit bin ich zufrieden. Ich mache etwas Sinnvolles, habe neue Leute kennenglernt und fühle mich im Team wohl“.

Heutzutage hat sich die Palette an Möglichkeiten, Hilfe und Unterstützung zu erhalten, beträchtlich erweitert. Die Gemeinnützige Gesellschaft für Sozialeinrichtungen Wernigerode mbH  bietet mit  ihrem Netzwerk an Dienstleistungsangeboten Möglichkeiten, die Hilfen an die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen Menschen anzupassen.

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Teilhabe für Menschen mit Behinderung muss kein abstrakter Begriff mehr bleiben. Seit Oktober dieses Jahres führt Herr Bollmann im „Harzblick“ seinen Haushalt in den eigenen vier Wänden und wird wöchentlich von einer Mitarbeiterin der GSW besucht. Die vormals trainierten Fähigkeiten kommen jetzt zum Einsatz: Kochen, Einkaufen, Waschen, Arzt- und Behördenwege erledigen, mit Geld auskommen oder für Gemütlichkeit sorgen, bedeuten für ihn anspruchsvolle Aufgaben, denen er sich im heutigen Leben gewachsen fühlt.

 

Matthias Bollmann / Michael Horn
Wernigerode, 12.11.2016

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